Sicherungsbereich Literatur
Walther, Joachim
Schriftsteller und Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik
Nackte Despotien bedürfen keiner vielen und großen Worte zur Rechtfertigung
ihrer Gewalttätigkeit. Moderne Diktaturen aber wohl. Sie haben das
Bedürfnis, ihren totalen Machtanspruch hinter einem ideologischen Gewand
zu verhüllen, das aus den Fasern der Philosophie und der Ethik gewebt
und mit den Emblemen utopischer Verheißung bedruckt wird. Sie
bedürfen des Wortes, der Sprache, die eine Programmatik generiert, die, je
monumentaler und edler sie daherkommt, desto besser für das zu Verbergende
ist. Ideologischer Wortschwall auf der einen, Konspiration und Geheimnis
auf der anderen Seite kennzeichnen derart verfaßte Gesellschaften.
Das Gewaltige (Übermenschliche) und das Unbekannte verbinden sich zu
einem konzentrierten Amalgam, das auf Menschen anziehend zu wirken
vermag oder, wo es eher Abstoßung hervorruft, doch ertragen wird, da es
sich in seiner Undurchsichtigkeit ins Unendliche zu dehnen scheint. „Ein
guter Teil des Ansehens, das Diktaturen anhaftet, liegt darin, daß man
ihnen die konzentrierte Kraft des Geheimnisses zubilligt, das sich in Demokratien
auf viele verteilt und verdünnt. [...]
Herausgeber Christoph Links Verlag